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Oft werde ich auf den Jakobsweg angesprochen, den ich 2010 von Saint Jean Pied de Port nach Santiago de Compostela gewandert bin. Um dich bei deiner Reise zu unterstützen, habe ich meine Tipps und Tricks in diesem Artikel für dich zusammengefasst. Möglicherweise ist es gerade kein aktuelles Thema. Dann leite den Artikel gerne an Menschen weiter, die mit dem Gedanken spielen, sich auf den Weg zu machen.

Noch eins vorweg: Der Jakobsweg ist eine absolut individuelle Erfahrung. Wenn du andere Menschen fragst, die den gleichen Weg zur gleichen Zeit gegangen sind, wirst du teilweise ganz andere Geschichten hören. Ich teile hier meine Sicht der Dinge. Schaue, was für dich Sinn macht und folge deinem Gefühl. Und lasse dir selbst den Raum, deine eigenen Erfahrungen zu machen. Denn diese sind es, die den Weg so besonders und einzigartig machen.

1. Die Vorbereitung

Ich hatte ca. 3 Wochen Zeit, mich auf den Jakobsweg vorzubereiten. Zum ersten Mal bewusst davon gehört hatte ich am 7.5., im Flugzeug saß ich am 27.5. Es ging also sehr schnell. Warum schreibe ich das? Es braucht keine lange Vorbereitungszeit! Entlang des Weges gibt es alles, was man braucht. Einzige Voraussetzung: Rucksack und Schuhe sollten “eingelaufen” und eine minimale körperliche Fitness sollte vorhanden sein.

Das kannst du dir sparen:

  • Strecken- und Schlafplatzplanung. Ich hatte vorher einige Herbergen gegoogelt und geschaut, welche gute Bewertungen haben. Das wäre nicht nötig gewesen. Auf dem Weg kommt es anders, als du denkst. Lasse dir den Raum, offen zu sein für das, was dir begegnet.
  • Handy und Internet: Ich hatte mir ein „Notfallhandy“ mit spanischer Karte gekauft, falls mich jemand von zu Hause erreichen musste. Geklingelt hat es nur ein einziges Mal und den Anruf hätte ich mir ebenfalls sparen können. Herbergen vorreservieren kannst du in Spanien eh nicht. Möglicherweise eignet sich die Zeit für eine Technikdiät. Das erleichtert es dir, dich voll und ganz auf den Moment vor Ort einzulassen.
  • Pilgerausweis und -muschel: In Saint Jean Pied de Port gibt es ein Pilgerzentrum, das bis spät abends geöffnet hat und einem alle wichtigen Informationen für den Start zur Verfügung stellt.

2. Das Gepäck

800km sind 800km. Und jedes Gramm, welches du zu viel auf den Hüften trägst, wird sich rechen. Ich empfehle dir nicht mehr als 10kg zu tragen. Idealerweise inkl. einem Liter Wasser. Du machst es dir sonst unnötig schwer. Ich habe nach 5 Tagen 3kg mit der Post wieder nach Hause geschickt. Sortiere diese Dinge vorher aus, dann sparst du dir das Porto. Außerdem kannst du alles vor Ort kaufen, solltest du doch etwas ganz schrecklich vermissen.

Diese Dinge haben mich auf dem Weg begleitet

  • Rucksack: Lasse dich von einem Fachmann beraten. Ich hatte einen Rucksack von Deuter, der zwar viel zu groß war, aber so gut gesessen hat, dass mein Körper sehr dankbar war.
  • Schlafsacküberzug aus Seide: Decken, die sauber sind, gibt’s meist vor Ort. Dennoch war ich froh, mich in meinen eigenen Duft kuscheln zu können
  • Wanderjacke
  • Regencape & -hose: ganz wichtig! Auch wenn du es nur einen halben Tag brauchst, wirst du sehr dankbar dafür sein
  • Wanderschuhe: Möglichst leichte Schuhe, die über die Knöchel gehen und gut eingelaufen sind
  • Wanderstöcke: habe ich nur für die ersten Etappen gebraucht, wo es sehr hügelig war. Würde ich nicht nochmal mitnehmen. Der Gummischutz ist nach 3 Tagen durchgelaufen und ohne klackert es ununterbrochen
  • Flipflops
  • Sonnenbrille und -hut
  • Reiseunterlagen: Ich empfehle dir den Wanderführer von Outdoor: Jakobsweg Camino Francés
  • Bücher: Es gibt schöne, leichte Ausgaben, z.B. vom btb Verlag.
  • Tagebuch: Du wirst so viele Erlebnisse haben – und auch innerlich kann die eine oder andere Erkenntnis losgetreten werden. Ich bin sehr froh, dass ich heute Aufzeichnungen von der Zeit habe
  • Stifte
  • Wasserschlauch: Vorteil: du hast beiden Hände frei und kannst trotzdem regelmäßig trinken. Nachteil: du musst immer den Rucksack absetzen und öffnen, um den Tank aufzufüllen.
  • Becher, Taschenmesser, Tupperdose: Ich habe oft gepicknickt. Wenn Käse übrig geblieben ist, oder ich ein schönes Glas Wein genossen habe, haben mir diese Utensilien sehr geholfen
  • Handy & Ladegerät: Braucht es meiner Meinung nach nicht (siehe oben)
  • Mehrfachstecker: Solltest du eine Kamera, Handy u.ä. mitnehmen, kann ein Mehrfachstecker hilfreich sein. Die Herbergen haben nicht unendlich viele Steckdosen und so bekommst du immer einen Ladeplatz
  • Medikamente und Blasenpflaster: Es reicht eine absolute Notausstattung. In jedem kleinsten Dorf gibt es eine Apotheke, die bestens ausgerüstet ist
  • Körperpflege: Jeder das, was er so braucht. Ich habe mehrere kleine Flaschen dabei gehabt. So konnte ich eine wegschmeißen, wenn diese leer war und habe so Gewicht gespart
  • Sonnenschutz: Kannst du auch vor Ort noch kaufen
  • Handtuch: Ich hatte ein Mikrofaser Handtuch dabei. Es war etwas gewöhnungsbedürftig. Da es schnell trocknet, kann ich es jedoch empfehlen
  • 3 Paar Wandersocken: Nach Expertenmeinung sollen diese möglichst wenig gewaschen werden. Entsprechend hat es manchmal gerochen :).
  • 1 Wanderhose, von denen ich die Beine per Reisverschluss abnehmen konnte
  • 1 kurze Hose
  • 2 Fließpullover: Diese habe ich insbesondere nachts öfter gebraucht, da es im Norden Spaniens durchaus kalt werden kann und es nicht überall Heizungen gibt
  • 3 Unterhose: ich hatte extra Wanderunterhosen. Normale Unterwäsche reicht jedoch völlig aus.
  • Nylonsocken: Ganz wichtig! Diesen Tipp habe ich von einem Pilger unterwegs bekommen. Wenn du die Nylonsocken unter die normalen Socken ziehst, wirken diese wie eine 2. Haut, was die Blasenbildung erheblich eindämmt. Ich hatte nur eine einzige Blase. Deine Füße sind deine wichtigsten Körperteile entlang des Weges – tue ihnen möglichst viel Gutes
  • Kordel und Sicherheitsnadel: Manchmal trocknet die Wäsche über Nacht nicht, dann kannst du sie damit am Rucksack befestigen.
  • Leinenbeutel: Er hat mir einerseits geholfen, das Chaos in meinem Rucksack einzudämmen. Andererseits habe ich ihn manchmal als Kissenbezug genutzt
  • Ohrenstöpsel: Ganz wichtig! In jeder Herberge gibt’s mindestens einen Super-Schnarcher
  • T-Shirt und Leggings als Schlafoutfit

3. Hin- und Rückfahrt

Ich bin mit Germanwings von Düsseldorf nach Bilbao geflogen, habe von dort den Zug über San Sebastian und Hendaye nach Bayonne genommen und bin dann mit dem Bus nach Saint Jean Pied de Port gefahren. Ich brauchte einen ganzen Tag, um anzukommen. Das fand ich etwas ungewöhnlich, da man heutzutage in 24h einmal um die ganze Welt fliegen kann. Die Zeit hat mir jedoch geholfen, voll und ganz vor Ort anzukommen.

Achtung: In Bilbao gibt es 2 Bahnhöfe. Ich bin am Falschen gelandet, aber trotzdem angekommen.

Meinen Rückflug habe ich eine Woche vor Ort spontan gebucht. Mit Ryanair von Santiago nach Frankfurt Hahn war das ein Kinderspiel.

4. Die erste Nacht

In Frankreich kannst du Herbergen reservieren. Ich hatte die erste Nacht im L’Esprit du Chemin gebucht. Das Hostel kann ich euch von ganzem Herzen empfehlen. Die Herbergsinhaber sind sehr freundlich. Da die ganze Sache an sich sehr aufregend war, war ich froh, mich nicht noch um ein Bett kümmern zu müssen. Es hat gut getan zu wissen, dass jemand auf mich wartet. Gegessen haben wir gemeinsam und so konnte ich schon die ersten Pilger kennenlernen, die bereits einige Etappen hinter sich hatten.

5. Los geht’s – Entlang des Weges

Was entlang deines Weges passiert, wird sich zeigen. Meine eigenen Erfahrungen und Begegnungen habe ich bereits in diesem Artikel veröffentlicht. Hier noch einige praktische Tipps:

Übernachtung:

Es gibt klassische Dörfer, wo viele Pilger in großen, Gemeindeherbergen mit bis zu 170 Betten im Raum übernachten. Ich selbst habe es bevorzugt, in den kleineren, privat geführten Herbergen ein Dorf vor oder nach dem jeweiligen „Standarddorf“ zu übernachten.
In Spanien kannst du kein Bett reservieren. Manche Menschen packen daher fast panisch morgens um 5h ihre Sachen zusammen, um als erster die nächste Herberge zu erreichen. Ich habe immer ein Bett bekommen – egal wie spät ich losgelaufen bin. Sollte die Herberge ausgebucht sein und der Herbergsvater dich absolut nicht bei der Suche nach Alternativen unterstützen wollen (was ich mir nicht vorstellen kann), dann nimmst du zur Not ein Taxi ins nächste Dorf.

3 Nächte habe ich einem Hotel geschlafen, weil ich dachte, ich bräuchte mal ein ordentliches Bett und richtige Handtücher. Im Nachhinein habe ich gemerkt, wie mich das völlig aus dem Pilgerdasein rausgerissen hat und ich würde das nicht noch mal machen.

Sauberkeit:

Nur eine Herberge hat mich etwas angeekelt – alle anderen waren super sauber und liebevoll gestaltet. Die Pilger nehmen Rücksicht aufeinander. Auch wenn ich die Letzte war, die an dem Tag duscht, konnte ich mich in der Dusche wohlfühlen.

Essen:

In jedem Dorf gibt es Restaurants mit Pilgermenus. Das sind meist 3 Gänge + Wasser + Wein. Ich habe oft Käse, Brot, Tomaten o.ä. gekauft und im freien gepicknickt. Allerdings habe ich am nächsten Tag gemerkt, wie dankbar mein Körper für eine warme Mahlzeit gewesen wäre. In machen Herbergen kann man auch kochen. Gefrühstückt habe ich übrigens immer ein besonders kalorienhaltiges Croissant. Und ohne eine Packung Prinzenrolle im Gepäck ging bei mir nichts!

Wasser:

Es gibt ca. alle 5 km einen Brunnen, wo du dein Wasser auffüllen kannst oder einen Supermarkt. Du brauchst also nicht literweise Vorrat mitschleppen. Wenn es Abschnitte ohne Wasserversorgung gibt, wird das im Reiseführer vorher angekündigt

Wäsche:

Es gibt extra Wäschewaschbecken, wo man seine Wäsche waschen kann. Manche Herbergen haben auch Waschmaschinen, die ich einmal ebenfalls sehr dankbar in Gebrauch genommen habe.

Wetter:

Ich hatte 3 Tage Dauerregen. Und das genau auf der Strecke, die im Führer als besonders heiß und anstrengend beschrieben wird. Glück oder Unglück weiß ich nicht. Einen Hitzeschlag habe ich nicht bekommen, aber durchweicht bis auf die Knochen war ich. Hinter Burgos kann es noch mal kühl werden, also lasst die warmen Sachen bis zum Schluss im Gepäck. Achtet auch darauf, dass in den Pyrenäen kein Schnee mehr liegt. Ich glaube, das kann unangenehm werden. Ansonsten – Sonne, Sonne, Sonne! An besonders heißen Tagen empfiehlt es sich wirklich früh loszulaufen, um vor der Mittagshitze anzukommen.

Andere Pilger:

Menschen gehen den Weg aus den unterschiedlichsten Gründen, sie kommen aus aller Herren Länder, allen Alters, männlich wie weiblich, allein oder in einer Gruppe, in jedem Gesundheitszustand und aus sämtlichen Lebenssituationen. Es gibt nichts was, es nicht gibt! Geht insbesondere offen auf Menschen zu, die möglicherweise „komisch“ erscheinen oder „nerven“. Gerade diese Begegnungen haben sich im Nachhinein als das größte Geschenk erwiesen. Meiner Meinung nach ist kein Zufall, wem ihr wann begegnet. Mehr zu dem Thema findest du in diesem Artikel.

Sicherheit:

Meiner Erfahrung nach ist der Weg absolut sicher. Klar mag es hier und da Menschen geben, die sich illegal Zugang zu deinen Sachen verschaffen wollen. Aber die gibt es überall. Auch Frauen jeglichen Alters können sich auf dem Weg alleine wohlfühlen.

Sprache:

Auch, wenn manche nur spanisch sprechen, gibt es immer Mittel und Wege sich zu verständigen. Möglicherweise kann ein anderer Pilger aushelfen oder ihr kommuniziert mit Händen und Füßen. Die Spanier vor Ort sind sehr verständnisvoll und freuen sich natürlich auch, wenn man zumindest einige Worte in ihrer Landessprache versucht.

Alleine oder zu zweit:

Oft höre ich, dass Menschen darauf warten, mit jemand anderem pilgern zu können. So gehen Jahre ins Land. Falls es dir ähnlich geht: Finde heraus, warum du einen Pilgerpartner an deiner Seite möchtest. Hast du Angst? Möchtest du Unterhaltung? Ist es euer gemeinsamer Traum? Und dann spüre noch mal ganz genau rein, ob es sich wirklich lohnt dieses einzigartige, besondere Erlebnis zu verpassen, nur weil es aktuell nicht den richtigen Pilgerpartner gibt. Schon auf der Hinfahrt wirst du andere Pilger kennenlernen, denen du dich möglicherweise anschließen kannst. Ich habe mich keine einzige Sekunden einsam auf dem Weg gefühlt.

Spiritualität und Religion:

Mit diesen Themen hatte ich mich vorab noch nie wirklich beschäftigt. Auf dem Jakobsweg habe ich angefangen, regelmäßig Messen zu besuchen und habe diese Zeit als sehr wertvoll empfunden. Außerdem habe ich auf das Buch Spirituelle Antworten auf alle Probleme gelesen, dass mir kurz vor Abfahrt irgendwie in die Hände gefallen ist. Mich spirituellen Themen zu öffnen, hat mein Leben grundlegend verändert. Dazu an anderer Stelle mehr. Ob du dich solchen Themen gegenüber öffnen möchtest oder nicht, bleibt ganz dir selbst überlassen. Manche gehen den Weg, um eine Diät zu machen, andere wiederum um die Sehenswürdigkeiten entlang des Weges zu genießen oder um einfach mal rauszukommen. Interesse an Spiritualität und Religion sind keine Voraussetzung. Aber es ist ein schöner Möglichkeit, diesen Aspekt des Lebens näher kennenzulernen.

Und wann gehst du los?

Ich hoffe, dieser Artikel konnte einige deiner Fragen beantworten, die dir bei deinen Vorbereitungen im Kopf herumschwirren. Möglicherweise bist du selbst schon gewandert. Ich freue mich sehr, wenn du deine Erfahrungen als Kommentar ergänzt!

Die Entscheidung, ob der Weg das Richtige für dich ist oder nicht, kann dir dieser Artikel natürlich nicht abnehmen. Höre auf deinen Bauch – er weiß, ob der richtige Zeitpunkt da ist oder nicht. Irgendwas hält dich noch ab? Rufe mich gerne an (0228 5344 1759) und wir schauen gemeinsam, was dich hindert. Es wäre so schade, wenn du den Weg nicht gehst, nur weil irgendeine innere Stimme dich davon abhält. Diese Erfahrung hat mein Leben so unglaublich bereichert und ich wünsche mir, dass viele weitere Menschen sich auf den Weg machen – nach Santiago und damit auch ein Stück mehr zu sich selbst!

Herzlichst,
Katrin

Hier findest du weiterführende Links zu dem Thema: