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Gestern Abend haben die Wassermassen auch Bonn erreicht. Innerhalb weniger Stunden standen viele Keller bis zu einem Meter unter Wasser.

So auch der Keller meiner Großeltern, in dem viele meiner Sachen gelagert sind. Erst einen Tag zuvor hatte ich 6 Kisten voller Bücher und Erinnerungen dort abgestellt, um Platz zu machen für Neues. Vor einigen Jahren wäre ich heulend zu Boden gegangen – all die schönen Bücher und kostbaren Erinnerungen – ich wäre richtig wütend geworden. Gestern stand ich schmunzelnd im Türrahmen. Da hatte das Universum mal eine klare Botschaft für mich: Platz machen für Neues heißt nicht, die Dinge irgendwo im Keller zu deponieren. Platz machen für Neues heißt loslassen, wegschmeißen, sich wirklich von Altem trennen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das man sich damit sehr schwer tun kann – ich weiß aber auch, dass man es lernen kann. Und natürlich gibt es in den Keller anderer Menschen noch viel mehr Erinnerungen oder auch kostbare Gegenstände, die dort (zwischen)gelagert sind. Und bei vielen Menschen in Deutschland ist der gesamte Hausstand über Nacht weggeschwommen. Da darf man traurig sein und wütend und sich fragen ‘warum passiert das gerade mir?’. Ich möchte mit diesem Artikel darauf aufmerksam machen, dass es wichtig ist, nicht darin zu verharren. Und vor allem auch, die Augen zu öffnen, für all die positiven Seiten, die in der Situation liegen.

Solche Naturkatastrophen sind für uns eine riesen Chance, vom Leben zu lernen. Loslassen ist ein Beispiel. Aber auch das Gefühl von Gemeinschaft: Viele Nachbarn räumten ihre Keller ebenfalls aus – wir haben uns gegenseitig unterstützt und gut zugesprochen. Wie aus dem Nichts kam ein 70jähriger Herr aus dem Haus und hat voll mit angepackt, als es darum ging Sofas, Holzschränke, Kisten und Teppiche nach oben zu befördern. Für mich alles wildfremde Mensch. Diese wundervolle Gemeinschaftsenergie spüren – gerade in Krisenzeiten. Das ist so wichtig. Wir haben gemeinsam gelacht über all den Pröll, der sich über die Jahre ansammelt. Das Leben ist so viel Mehr als irgendewelche Gegenstände.

In solchen Momenten zeigt sich auch, wie viel Gutes, wie viel Kraft, wie viel Liebe und Hilfsbereitschaft wirklich in den Menschen steckt. Diese Hilfe dann auch annehmen zu können, ist ein weiteres Lernfeld. Sich nicht ständig fragen ‘Wie kann ich das wieder gut machen’, sondern ‘Danke’ sagen – von Herzen. Denn da gibt es nichts wieder gut zu machen!

Und natürlich bietet sich die gesamte Palette der Gefühle: Angst, Neid, Wut, Traurigkeit, Hilflosigkeit und auch Erleichterung, Freiheit, Freude … jeder fühlt in solchen Momenten anders. Diese Gefühle zuzulassen und sich dabei zu beobachten. Sich nicht in die Situation zu steigern, sondern wirklich das Gefühl leben und in allen Facetten kennenlernen – auch dieses Geschenk steckt in einer solchen Krise. Und andere Menschen in ihrem jeweiligen Gefühl genauso annehmen zu können wie sie sind. Kein ‘jetzt stell dich nicht so an’, sondern ein ‘Hej – ich bin da’.

Und die für mich allerwichtigste Lernerfahrung: Vertrauen! Du kannst darauf vertrauen, dass in Krisenzeiten jemand an deiner Seite steht. Egal wo der- oder diejenige herkommt. Sobald du dich öffnest und bereit bist, Hilfe zu empfangen, wird diese für dich da sein! Vielleicht nicht in der Art und Weise, wie dein Ego sich das wünschst. Aber so, wie es deinem Herzen gut tut.

Die Zeiten sind turbulent und werden turbulent bleiben. Meiner Meinung nach hilft nur, dies anzunehmen, für die Veränderung gewappnet zu sein, die jederzeit unvorbereitet eintreffen kann. Und dann das Leben leben! Es ist so einzigartig wundervoll und kostbar…