Dein Erstgespräch
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In dieser Woche mache ich mit bei der Aktion #14tagelive bei Facebook, die Katrin Hill auf der InspiCon angestoßen hat. Auf meiner Facebook-Seite gebe ich jeden Tag Einblicke in unterschiedliche Aspekte meines Alltags. Worüber ich genau spreche, entscheide ich morgens spontan.

Gestern kam der Impuls, über unser Familienmodell zu sprechen. Und da das ja ein Thema ist, welches vielleicht auch einige von euch interessiert, gibt es dazu einen Blogartikel.

Wenn du dir das Video anschauen möchtest, kannst du das mit Klick auf das Bild* tun.

So ist unsere Situation

Der Vater unserer Tochter und ich leben seit ca. 2 Jahren getrennt. Unsere Tochter wohnt hauptsächlich bei mir und ist unter der Woche eine Nacht und am Wochenende einen Tag beim Papa. Er wohnt ca. 10 Minuten zu Fuß von uns entfernt, so dass wir immer schnell beim anderen sein können, wenn etwas ist.

Der Beginn: Eine wertschätzende Trennung

Als damals klar war, dass das mit uns gemeinsam lebend so nicht funktioniert, musste ich erstmal schlucken. Puh – wie soll das alles werden? Die größte Sorge hatte ich wegen unserem Trennungsgespräch. Wie wird er reagieren und wie gehe ich dann damit um?

Wie schon so oft, waren meine Bedenken unbegründet. Das Gespräch war kürzer als gedacht und wir haben uns erstmal darauf geeinigt, die Gefühle und Gedanken neu zu sortieren und das Gespräch später fortzuführen.

Das war eine gute Entscheidung, da wir es so geschafft haben, einigermaßen frei von emotionalem Durcheinander aufeinander zuzugehen und im Dialog zu bleiben.

Jeder von uns hat sich von einem Coach durch die Trennungsphase begleiten lassen. So konnten wir relativ gut sortieren, welche Themen wir für uns selbst lösen müssen und was dann noch übrigbleibt, um es gemeinsam zu klären.

Außerdem haben wir es geschaffen, den anderen in seinem individuellen Prozess zu achten. Jeder geht ja anders mit Krisensituationen um. Der Eine will über alles reden, der Andere zieht sich in sein Schneckenhaus zurück. Wir haben uns gegenseitig den Raum und die Zeit gelassen, die der jeweils andere brauchte. Dass war für mich nicht immer leicht, auszuhalten, da ich ja eher ungeduldig bin. Doch auch ich habe es geschafft.

Alles zu seiner Zeit

“Alles zu seiner Zeit” ist generell ein gutes Motto, wie ich finde. Oft höre ich bei Trennungen, dass “zu Liebe der Kinder nun schnell eine Lösung hermuss”. Am besten, sie sollen gar nicht mitkriegen, dass sich etwas verändert hat.

Meiner Meinung funktioniert das nicht, denn Kinder spüren deutlich, dass etwas los ist, auch wenn man versucht, es vor ihnen zu verheimlichen. Außerdem können sie ruhig mitkriegen, das Veränderungen Zeit brauchen im Leben.

Die Situation ist ja für alle Beteiligten neu und wie in jeder anderen Veränderungsphase auch: Es braucht Zeit, bis jeder seinen Platz neu gefunden hat.

Offene Kommunikation – auch über Alltäglichkeiten

Offene Kommunikation war uns von Anfang an wichtig. Das war und ist 🙂 nicht immer leicht und manchmal braucht ein Gespräch mehrere Anläufe. Doch bis heute sind wir miteinander im Dialog geblieben.

Wir tauschen uns zum Beispiel auch über “Kleinigkeiten” aus dem Alltag aus: Wenn unsere Tochter schlecht geschlafen hat oder wenn sie ihr Brot im Kindergarten nicht aufgegessen hat. So wissen wir immer, was gerade los ist.

Flexibilität

Bei uns ist Flexibilität in den Absprachen wichtig. Der Papa muss beispielsweise manchmal länger arbeiten oder ich habe am Wochenende eine Veranstaltung. Da wir eine gute Basis haben, schaffen wir es, unsere Absprachen spontan zu verändern, Wochenenden zu tauschen oder sonst wie gegenseitig einzuspringen.

Gemeinsame Verantwortung und gegenseitige Unterstützung

Wir übernehmen gemeinsam Verantwortung für unsere Tochter – jeder auf seine Art. Und ich fordere Unterstützung ein, wenn ich sie brauche.

Wir hatten beispielsweise eine Situation, in der unsere Tochter vor Schmerzen die Nacht hindurch geweint hat, was für sie ungewöhnlich ist. Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte und habe ihren Papa angerufen. Innerhalb von 10 Minuten war er da und wir haben gemeinsam eine Lösung gefunden.

Zu wissen, dass ich immer auf ihn zählen kann, ist eine große Erleichterung.

Ich beobachte, dass gerade dieser Punkt bei getrennt lebenden Eltern oft nicht der Fall ist. Oft fühlt sich ein Partner allein gelassen. An dieser Stelle möchte ich Mut machen: Tretet in den Dialog!

Ich glaube, die meisten “außerhalb lebenden” Elternteile wollen eine Mit-Verantwortung für ihre Kinder übernehmen. Doch möglicherweise sind sie mit der neuen Situation überfordert oder haben das Gefühl, keinen Raum zu bekommen. In einem Gespräch können Missverständnisse geklärt und ein gemeinsames Verständnis hergestellt werden. Das wiederum stärkt das Vertrauen.

Vertrauen

Immer wieder höre ich die Frage: “Vertraust du dem Papa denn?”.

JA! Zu 100%.

Ich habe mir noch nie Sorgen gemacht, dass es unserer Tochter bei ihm an irgendetwas fehlt. Er ist mit Leidenschaft Papa und kümmert sich genau so liebevoll und umsorgend um sie wie ich – eben auf seine Art.

Doch seine Art ist genauso wichtig für die Entwicklung unserer Tochter, wie meine.

Und wenn meine Tochter mal über ihren Papa meckert oder die beiden sich gestritten haben, dann schmunzele ich und denke: Das ist euer Ding, klärt das unter euch.

Jeder erzieht, wie er es für “richtig” hält

Oft ist ja das Bestreben – auch bei gemeinsam lebenden Eltern – dass man in Punkto Erziehung an einem Strang ziehen muss.

Ich glaube, dass man das weniger muss, als man zunächst meint. Bei uns gilt klar: der Papa erzieht, wie der Papa erzieht und die Mama erzieht, wie die Mama erzieht. So lernt unsere Tochter von Beginn an, dass es nicht die eine richtige Vorgehensweise gibt, sondern dass das Leben aus unterschiedlichen Möglichkeiten besteht.

Schließlich hat keiner von uns die Weisheit mit Löffeln gegessen. Und an mancher Stelle ist die Vorgehensweise ihres Papas eine echte Inspiration für mich – und umgekehrt.

Fazit

Wenn es in der Familie vielleicht nicht so läuft, wie man es sich immer vorgestellt hat: Es ist OK! Abweichend vom immer noch klassischen Familienbild “Vater, Mutter, Kind” gibt es andere Möglichkeiten.

Wenn du in einer Trennungssituation bist, glaube daran, dass es funktionieren kann!

Und wenn du dir für die Übergangszeit Unterstützung wünschst, melde dich. Aus eigener Erfahrung weiß ich: gerade in einer solchen Situation kann ein Profi an der Seite einen großen Beitrag für ein friedliches Miteinander leisten.

Liebe Grüße,

Deine Daria Katrin

[Nachtrag: In einem Gespräch mit Eva Lueg ist mir im Nachgang noch ein Punkt bewusst geworden, den ich hier ergänze.

Es gab nach unserer Trennung auch Situationen, wo ich mich wie ein Arschloch verhalten habe. In den Momenten ging es einfach nicht anders. Ich ergänze das hier, da natürlich auch das dazu gehören kann. Es geht nicht immer darum, sich “lieb” und respektvoll zu verhalten. Manchmal ist eben auch der “Arschloch-Modus” dran. Wichtig ist, wie gehe ich im Anschluss mit mir selbst und auch mit dem anderen Menschen um.]

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